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Künstler SozialKasse (KSK) – ein buch mit sieben siegeln

Ich möchte mit euch über ein Thema reden, welches jedes Unternehmen betrifft, dass schon mal einen Freiberufler, z.B. Designer, beauftragt hat und solche, die es irgendwann mal vorhaben. 

Die Rede ist von der Künstlersozialkasse, auch KSK genannt.

Was ist die KSK?

Zuerst sollten wir klären, was die KSK überhaupt ist. 

Die KSK ist dazu da, dass Künstlersozialversicherungsgesetz, kurz KSVG, durchzuführen. Dieses Gesetz wurde 1983 von der Bundesrepublik Deutschland erlassen und soll für einen ausreichenden Versicherungsschutz von professionellen, selbstständigen Künstlern sorgen. Die Bundesrepublik versteht sich nicht nur als Sozialstaat, sondern auch als Kulturnation und so entstand das Gesetz im Gedanken jene Kultur zu erhalten und zu schützen.

Die Künstlersozialkasse hat im wesentlichen 2 Aufgabenbereiche:

  1. Erstens prüft sie, ob Künstler oder Publizisten versicherungspflichtig sind. Um in der KSK versichert zu werden, muss man bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Darauf gehe ich gleich noch ein. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, erlässt sie Bescheide über den Beginn, den Umfang und ggf. das Ende der Versicherungspflicht.

     

  2. Zweitens zieht sie die Beiträge ein. Darunter fallen der Beitragsanteil der Versicherten, die Künstlersozialabgabe der abgabepflichtigen Unternehmen und der Bundeszuschuss.

Aber für die Durchführung der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung ist die KSK selbst nicht verantwortlich. Sie meldet die Künstler und Publizisten nur an und leitet die Beiträge an die zuständigen Träger weiter. Leistungen aus dem Versichertenverhältnis erbringen ebenfalls nur die Träger. 

Wenn die KSK selbst also gar keine Leistungen erbringt, warum wird sie dann überhaupt zwischengeschaltet? 
Tatsächlich macht sie etwas mehr als nur Bürokratie zu verursachen. Wie bereits am Anfang erwähnt, wurde das Künstlersozialversicherungsgesetz geschaffen, um Künstlern einen gewissen Versicherungsschutz zu gewähren.

Warum war das überhaupt nötig? 
In den freien Berufen, die von der KSK erfasst werden, ist die Vergütung erfahrungsgemäß recht gering und sie sind sozial oft schlechter abgesichert als andere Selbstständige. Durch die KSK zahlt der Versicherte 50% der Versicherungsbeiträge. An sich, wie jemand in einem Angestelltenverhältnis. Die anderen 50% werden von der KSK übernommen. Diese setzen sich wie folgt zusammen: 20% , sowie zusätzlich alle Verwaltungskosten übernimmt der Bund, die anderen 30% werden durch die Künstlersozialabgabe aufgebracht.

Die Künstlersozialabgabe ist das, was für Unternehmer wichtig zu wissen ist. Denn sie sind es, die die Abgabe zahlen. Im Künstlersozialversicherungsgesetz werden die Auftraggeber als “Verwerter” bezeichnet. Diese Bezeichnung kommt daher, dass sie z.B. ein künstlerisches Erzeugnis zu ihrer Vermarktung nutzen, es also verwerten. Es gibt nur wenige Ausnahmen, wann die Künstlersozialabgabe nicht zu tätigen ist z.B. wenn etwas zum Eigenbedarf in Auftrag gegeben wird. Wenn man sich also seine Hochzeitseinladungen von einem Designer gestalten lässt, muss man nicht in die KSK einzahlen. Das gleiche gilt bei der Geringfühgigkeitsgrenze. So kann ein Kunde sein Designbüro bis zu einer Netto-Vergütung von 450 Euro im Jahr beauftragen, ohne dass er der KSK etwas überweisen muss. Hier gibt es aber auch wieder Ausnahmen von der Ausnahme. Das Ganze ist halt nicht so einfach.  

So, ich rede jetzt schon die ganze Zeit von Kunst, und so manch einer denkt sich mittlerweile vielleicht: “Alles schön und gut, aber ich will mir ja kein Ölbild malen lassen, sondern einen Flyer gestaltet kriegen.” Aber trotz des Namens fallen nicht nur Künstler unter die KSK. 

Wer ist in der KSK?

In der KSK sind alle gestalterischen, künstlerischen und kulturschaffenden freien Berufe sowie publizistischen Berufe vertreten. Designer, Fotografen, Texter, Musiker, Schauspieler und Journalisten. Sie alle fallen unter das Gesetz, sofern sie nicht fest angestellt sind. Doch nicht nur ausübende, sondern auch lehrende Tätigkeiten z.B. Musiklehrer oder Design Dozenten sind über die KSK versichert. 

Die Voraussetzungen sind aber nicht nur die Ausübung einer Tätigkeit, die von der KSK berücksichtigt wird. Die Tätigkeit muss erwerbstätig ausgeübt werden und das nicht nur vorübergehend.  Außerdem muss sie selbstständig, das heißt, nicht im Rahmen eines festen Angestelltenverhältnisses ausgeübt werden. Sobald mehr als ein Angestellter beschäftigt wird, fällt man auch nicht mehr unter das Künstlersozialversicherungsgesetz, außer es handelt sich um einen Auszubildenden oder geringfügig Beschäftigten. Um als Versicherungspflichtig zu gelten muss man außerdem mehr als 3900 Euro im Jahr verdienen. Eine Ausnahme bilden hier allerdings Berufsanfänger, die dürfen zum Anfang weniger verdienen. 

Warum sind diese Berufsgruppen in der KSK?

Während vor allem im Bereich der Publizistik, Musik und darstellenden Kunst die KSK allgemein bekannt ist und “Verwerter” auch von der Pflicht ihrer Abgabe wissen. Scheint es im Bereich Design immer wieder zu Überraschungen und auch Unmut unter den Unternehmern zu kommen. Eigentlich wäre es an den Steuer- oder auch Gründungsberatern, die Unternehmer zu informieren, dass sie eine Meldepflicht haben, aber das wird leider häufig versäumt. Auch die KSK selber betreibt dahingehend wenig Aufklärungsarbeit. 

Doch warum ist der Designer überhaupt Mitglied bei der KSK? 
Die Frage ist ganz einfach zu beantworten: Weil er oder sie muss!

Bei der KSK handelt es sich um eine Pflichtversicherung und jeder aus den besagten Berufsgruppen, der selbstständig ist, muss sich über die KSK versichern lassen, ob er nun will oder nicht. Tatsächlich würde derzeit die freiwillige Mitgliedschaft für einen Unternehmer auch keinen Unterschied machen, denn die Künstlersozialabgabe muss entrichtet werden, egal ob der Designer nun Mitglied ist oder nicht. 

Das ist natürlich für diejenigen unglücklich, die nicht von der KSK profitieren dürfen, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllen, aber trotzdem verärgerten Unternehmern Rede und Antwort stehen müssen, wenn diese eine Rechnung der KSK bekommen.

Warum macht sich der Künstler oder Designer dann nicht einfach zu einer GmbH oder UG? Dann hätte er das Problem mit der Künstlersozialkasse gar nicht. 

Das stimmt, dafür kämen aber andere Pflichten hinzu. Der Designer müsste nun bilanzieren, wäre zu doppelter Buchführung verpflichtet, müsste Gewerbesteuer und Kammerbeiträge abführen und würde seinen Status als Freiberufler verlieren. Das was man nun bei der KSK spart würde durch die neuen Kosten um ein vielfaches übertroffen. Das schlägt sich dann wiederum auf die Vergütung nieder. Was bedeutet, der Unternehmer muss mehr bezahlen. 

Beispiele/Vergleiche

Die Künstlersozialabgabe ist an sich nichts anderes als Steuern auf ein künstlerisches, publizistisches oder gestalterisches Erzeugnis. Tatsächlich hat der Designer auch keine Informationspflicht dem Unternehmer gegenüber.

Für die Meldung an die Künstlersozialkasse ist das Unternehmen selbst verantwortlich. Der Designer selbst kann oftmals auch gar nicht viele Informationen geben, da er in erster Linie Gestalter ist und nicht Steuerberater. Wer wann, bei was abgabepflichtig ist, ist nicht immer ganz klar zu durchschauen. Wenn man einen Fernseher kauft, muss einen das Geschäft auch nicht auf anfallende GEZ-Gebühren hinweisen. Wenn ein Unternehmer  in seinem Geschäft Musik laufen lässt, muss er Gebühren an die GEMA zahlen, doch darauf werden ihn weder Vermieter noch Verkäufer seiner Anlage hinweisen. Das gleiche mit der KfZ-Steuer. Weist ein Verkäufer im Autohaus darauf hin?

Letztendlich übernimmt ein Unternehmer mit seiner Künstlersozialabgabe die Arbeitgeberfunktion in einer zeitlich begrenzte Beschäftigung. Bei einem Festangestellten hat er auch die Sozialabgaben zu tätigen und wer z.B. einen Designer beschäftigt, stellt diesen sogesehen für einen bestimmten Zeitraum in seinem Unternehmen an und dann fallen auch Sozialabgaben an. Nur sind diese wesentlich günstiger als bei einem Festangestellten. Dazu gleich noch mehr.

Freiberufler vs. Agentur/Unternehmen

Erstmal möchte ich noch auf den Unterschied zwischen Freiberuflern und großen Agenturen/Unternehmen eingehen. Denn wer nun glaubt, bei einer Agentur, die nicht unter die KSK fällt, sei er besser dran, denn hey “es gibt keine Künstlersozialabgabe”, der unterliegt einem Trugschluss. Designbüros die eine GmbH, UG oder KG sind müssen zwar keine Künstlersozialabgabe bezahlen, haben dafür aber andere Kosten, die an den Kunden weitergegeben werden. 

Tatsächlich ist in vielen Fällen der Freiberufler mit der KSK günstiger als die große Werbeagentur GmbH. 

Oftmals haben sie einen höheren Verwaltungs- sowie Repräsentationsaufwand und auch die Sozialabgaben für die Angestellten sind natürlich im Preis enthalten. Um Sozialabgaben kommt man also gar nicht herum. Was auch so mancher Unternehmer nicht weiß, ist, dass Agenturen auch häufig freie Designer, Freelancer beschäftigen, für die sie natürlich in die KSK zahlen müssen. Und auch das muss dem Kunden berechnet werden.

Kosten / Prozente

So manch einem Unternehmer mag es vielleicht unfair erscheinen, dass er zusätzliche Abgaben zu zahlen hat. Ohne die KSK würden die Preise für Design allerdings ganz gewaltig ansteigen und auch das dürfte vielen nicht gefallen. Vielleicht müsste man sich dann sogar einen hauseigenen Designer leisten, der dann fest angestellt wäre. Selbst wenn diese Festanstellung nur über einen befristeten Zeitraum wäre, wäre es immernoch teurer als mit der KSK, denn jetzt muss der Unternehmer die Sozialabgaben alleine tragen.

Wie kommen nun die Kosten Zustande?

Die KSK berechnet einen gewissen Prozentsatz von der Rechnung für die Designleistung. Dieser Prozentsatz ändert sich immer wieder. So betrug er 2016 noch 5,2 %, 2017 sind es dagegen 4,8%.

Dieser Prozentsatz wäre allerdings wesentlich niedriger wenn alle, die einzahlen müssten, es auch tun würden. Aber das ist leider nicht der Fall. Manchmal aus Unwissenheit, manchmal in der Hoffnung einfach nur nicht erwischt zu werden. Allerdings hat die KSK ihre Kontrollen verschärft und kommt heraus, dass ein Unternehmer sich nicht bei der KSK gemeldet hat, so muss er Strafe zahlen und rückwirkend bis zu 5 Jahre nachzahlen. Und das könnte ganz schön teuer werden. 

Ein Unternehmer sollte auch dringend davon absehen, zu versuchen das Geld vom Designer zurückzuverlangen. Das wäre ein Straftatbestand. Fordert man den Designer auf die Rechnung so abzuändern, dass keine Kosten für die KSK anfallen, dann wird nicht nur das ganze System ausgehöhlt, sondern es handelt sich auch um Sozialversicherungsbetrug.

Fazit

Ob man die KSK nun gut findet oder nicht. Sinnvoll oder nicht. Darüber lässt sich streiten. Und es wird sich auch gestritten. Selbst unter den Designern. Denn wie zum Anfang schonmal gesagt, hat der Designer überhaupt keine Wahl selbst zu entscheiden ob er in der KSK sein will oder nicht. Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, wie er mit der KSK umgeht und wie er sie findet. 


Deine Expertin für Markenaufbau,

Marischa

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